Das Fördernetz Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland (kurz: Fördernetz) vereint die Interessen und Expertise von über 40 öffentlichen Fördereinrichtungen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Im aktiven Austausch teilen die Mitglieder ihr Wissen und unterstützen sich gegenseitig, um Kultur- und Kreativschaffende lokal noch gezielter zu fördern. Diese Zusammenarbeit macht das Fachwissen der einzelnen Einrichtungen für das gesamte Netzwerk verfügbar und schafft starke Synergien, die bundesweit die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft voranbringen. Team KURTI ist seit 2021 Teil dieses Netzwerks. Die derzeitigen Sprecher*innen sind Stephanie Hock von der MFG Baden-Württemberg und Jan-Paul Schmilgun von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung.
KURTI: Dieses Jahr feiert das Fördernetz sein 10-jähriges Bestehen – welche Highlights kommen euch dabei spontan in den Sinn?
Stephanie Hock: Die Highlights des Fördernetz sind seine jährlichen Frühjahrstagungen. An einem Ort in Deutschland kommen dann ca. 50 Kreativwirtschaftsförder*innen aus ganz Deutschland zusammen. Das ist für mich jedes Mal ein Fest der Kreativität und Kollegialität. Dieses Jahr waren wir auf Einladung von Kreatives Sachsen und dem Flagship-Projekt „Makers, Business & Arts“ in Chemnitz, der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas. Nächstes Jahr werden wir zu Gast in der Rhein-Main-Region sein und partizipieren so an der World Design Capital 2025 in Frankfurt.
Jan-Paul Schmilgun: Mit dem Fördernetz gestalten wir den kontinuierlichen Zugang zu Wissen, zu persönlichem Austausch und zu Kontakten, wir beraten und unterstützen einander und kritisieren uns konstruktiv. Unsere Highlights sind daher auch die Meilensteine unserer Mitglieder. Dieses Jahr haben neben dem Fördernetz drei weitere Fördereinrichtungen Jubiläen gefeiert: das EMMA in Pforzheim feierte 10-Jähriges, die Hamburg Kreativgesellschaft 15 Jahre und die MFG Baden-Württemberg mit der MFG Kreativ ihr 30-jähriges Bestehen. Die Häufung von Jubiläen zeigt: Die Branche und deren Förderung ist angekommen und etabliert.
Stephanie Hock: Wenn ich zurückblicke, ist auch die Netzwerkarbeit während der Corona-Pandemie eine für das Fördernetz und die Branche besondere Zeit gewesen. Der schnelle und unbürokratische Austausch zur Konzeption, Beantragung und Zugang von Hilfsprogrammen war zu der Zeit besonders wichtig, da ja niemand Erfahrungen in diesem Ausmaß hatte.
KURTI: Wie würdet ihr Kreativen und Künstler*innen erklären, warum eure Institution Mitglied im Fördernetz ist?
Jan-Paul Schmilgun: Weil vieles zwischen Kiel und Konstanz doch ähnlich funktioniert und man auch die Kultur- und Kreativwirtschaftsförderung nicht an jedem Ort neu erfinden muss: Wie setzt man ein Förderprogramm für die Branche auf? Welche Erfahrung gibt es mit Betriebsstrukturen von Kreativhäusern? Wie stärkt man Kultur- und Kreativwirtschaft durch Beratung und Knowhow? Die Antworten auf diese Fragen wirken sich mittelbar auf Standorte aus. Wenn wir aus Erfolgen und Fehlern lernen und sich gute Ideen schnell durchsetzen, profitieren die Kreativen.
Und ganz praktisch: Angebote aus anderen Bundesländern oder Städten sind oft allgemein zugänglich, das gilt bei digitaler Durchführung umso mehr. Und wenn es vielleicht wirklich mal mit einem Umzug woanders hin geht: Unsere Mitglieder können untereinander vernetzen und so Starthilfe in neue Netzwerke geben.
Stephanie Hock: Das Fördernetz kommuniziert Bedarfe und Potenziale der Branche und ihrer Fördereinrichtungen. Gebündelt werden diese einfacher und schneller wahrgenommen. Wir initiieren auch gemeinsame Projekte und Initiativen im Interesse der Fördernetzmitglieder. So gestalten einige Mitglieder den jährlichen German Creative Economy Summit in Hamburg mit, ein bundesweiter Leitkongress der deutschen Kreativwirtschaft veranstaltet von der Hamburg Kreativgesellschaft. Das Fördernetz ist übrigens einzigartig. International gibt es keinen anderen nationalen Zusammenschluss von öffentlichen Fördereinrichtungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft.
KURTI: Stichwort „Künstliche Intelligenz“ – Fluch, Segen oder einfach nur ein neues Werkzeug im Kasten von Künstler*innen und Kreativen?
Jan-Paul Schmilgun: Wir dürfen uns beim Thema KI weder im Hype suhlen noch in eine maschinenstürmerische Wagenburgmentaliltät treiben lassen. Stattdessen müssen wir uns offensiv einmischen in die Gestaltung dieser entstehenden Neuen Welt. Künstliche Intelligenz ist die zentrale, alle Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft herausfordernde Chance.
Stephanie Hock: Die damit verbundenen Fragen gehen weit über eine einzelne Perspektive hinaus. Daher ist auch hier das kollektive Wissen wichtig. Wie begegnen wir praktisch der Veränderung und dem Verlust kreativer Berufe von den Texter*innen über die Grafik-Designer*innen zu den Programmierer*innen? Wie stärken wir (in)formelle Weiterbildung in den KI-Technologien? Wie können wir Schutzrechte von menschlicher Kreativität und Vergütungsansprüche durchsetzen? Aber auch: Wie können wir die Möglichkeiten von KI zur kreativen Arbeit sinnvoll nutzbar machen? Diese Fragen sind offen und Antworten darauf müssen von uns allen in den nächsten Jahren gemeinsam gestaltet werden.