Drei Fragen mit Leona Friedrichs und Ardalan Mirhadi

Mitten im Kreativquartier City Nord.Essen und seiner lebendigen Kunst- und Kulturszene, haben die Goldschmiedin Leona Friedrichs und der Künstler sowie Computational Designer Ardalan Mirhadi jüngst ein gemeinsames Atelier eröffnet. Ihre Arbeit zeichnet sich durch innovative Ansätze und eine klare Ausrichtung auf Nachhaltigkeit aus.
Leona nutzt als Goldschmiedin recycelte und faire Materialien, repariert oder gestaltet Schmuckstücke um. Sie sieht ihr Handwerk als verbindendes Element, wie eine universelle Sprache, die jede/r versteht. Und vermittelt ihr Wissen gerne weiter, zum Beispiel in Form von Workshops, bei denen gemeinsam Schmuckstücke entstehen.

Ardalans Schaffen bewegt sich zwischen Skulptur, Design und nachhaltiger Materialforschung. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Transformation von Sperrmüll und weggeworfenen Materialien in ästhetisch und konzeptuell aufgeladene Objekte. Im neuen Atelier erforscht er die Schnittstellen von Kunst, Technologie und ökologischer Verantwortung – mit Methoden wie generativem Design, digitaler Fertigung und dem 3D-Druck nachhaltiger Materialien.

KURTI: Wie fühlt ihr euch in eurem neuen Atelier im Kreativquartier City Nord.Essen?

Leona: Ich verbringe sehr gerne Zeit in unserem neuen Atelier. Vor unserem Umzug gab es einige Stimmen, die sehr skeptisch waren, was ein Ladenlokal in der Innenstadt angeht. „Was wollt ihr denn da? Es steht doch alles leer. „Es ist so dreckig.“ Glücklicherweise sind Ardalan und ich beide sehr stur und vielleicht auch ein bisschen naiv und haben uns nicht davon abbringen lassen. Und haben bis jetzt schon ganz viele positive Rückmeldungen bekommen. Es ist schön zu sehen, dass wir einen Raum erschaffen haben, in dem sich Menschen wohlfühlen und gerne verweilen und in dem Dialoge und kreative Impulse entstehen.

Ardalan: Ich finde das neue Atelier viel aktiver und lebendiger. Es passiert mehr auf der Straße, wir sind ständig in Kontakt mit Passant*innen, und es entstehen oft ganz spontane Gespräche oder Begegnungen. Das bringt eine neue Energie in die Arbeit. Ich merke, dass ich mich durch die Offenheit des Raums mehr verbunden mit der Umgebung fühle. Es ist kein zurückgezogener Atelierplatz mehr, sondern ein Ort, der sichtbar ist und mit den Außen kommuniziert – und genau das wollte ich eigentlich immer. Außerdem sind wir jetzt mitten im Kreativquartier und direkt in der Innenstadt – also genau da, wo vieles passiert. Kunstinteressierte können mich viel einfacher finden, und ich habe das Gefühl, näher an der Stadt und der Szene zu sein.

KURTI: Was hat euch dazu inspiriert, ein gemeinsames Atelier zu eröffnen?

Leona: Ardalan & ich haben uns in unserem vorherigen Atelierhaus in Altenessen kennengelernt und viele Mittags- und Kaffeepausen zusammen verbracht. Ich schätze Ardalans Art, er ist ein sehr positiver und offener Mensch, wir lachen viel zusammen und motivieren uns gegenseitig. Uns verbindet die Leidenschaft, alte Dinge zu sammeln und wiederzuverwerten. Und wir sind beide sehr neugierig. Meiner Meinung nach eine der wichtigsten Eigenschaften im Leben, um nicht stillzustehen. Genauso wie das Bedürfnis nach Veränderung und Weiterentwicklung. Und jetzt haben wir ein gemeinsames Atelier am Kopstadtplatz. Ich bin gespannt und freue mich auf unsere Zeit dort.

Ardalan: Letztes Jahr haben wir in unserem alten Atelier zwei Veranstaltungen gemeinsam organisiert – und das war überraschend erfolgreich. An einem Tag kam Leona dann mit der Idee, ein Atelier direkt an der Straße zu suchen, mit Schaufenstern nach außen. Ich fand das großartig – denn ich hatte immer den Traum, meine Arbeit im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, nicht versteckt in einem Hinterhof. Jetzt können wir beide unsere nachhaltige Arbeit zeigen – und gleichzeitig gemeinsam diesen Ort gestalten. Es fühlt sich weniger wie „nur“ ein Arbeitsplatz an und mehr wie ein öffentlicher Raum, der wachsen kann.

KURTI: Was hat dir die Teilnahme an der Gründungswerkstatt 2024 gebracht, Leona?

Leona: Die Gründungswerkstatt ist ein super Format, um sich mit anderen Kreativen zu vernetzen. Ich war noch nicht lange im Essen und auch gerade erst dabei, mich selbständig zu machen. Bei den Treffen habe ich andere Selbstständige kennengelernt, was sehr hilfreich ist, da ein Gefühl des Zusammenhalts entsteht und wir uns gegenseitig unterstützt haben. Ich habe bis heute noch Kontakt zu mehreren anderen Teilnehmer*innen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ich würde die Gründungswerkstatt auf jeden Fall weiterempfehlen, danke KURTI 🙂

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