Holger Zebu Kluth ist Rektor der Folkwang Universität der Künste. Der Dramaturg und Kulturmanager bringt langjährige Erfahrung aus Theater, Hochschule und freier Szene mit – und eine klare Haltung: Hochschulen sollen nicht nur Orte der Ausbildung sein, sondern Räume des Lernens für alle. Kluth hat in Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft studiert und früh die freie Szene mitgeprägt: In den 1990er-Jahren gründete er mit Kolleg*innen u.a. die Sophiensäle. Es folgten Stationen als Künstlerischer Leiter des Theaters am Halleschen Ufer, Dramaturg und als Geschäftsführer u.a. der Hamburger Kammerspiele. 2017 wechselte er in die Hochschulleitung – als Rektor der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Bevor er an die Folkwang Universität wechselte, war er Gastprofessor an der UdK in Berlin.
Im Interview spricht Holger Zebu Kluth über Verantwortung, Wandel und die Bedeutung von Netzwerken in einer sich verändernden Kulturlandschaft.
KURTI: Du willst Folkwang als offenen, demokratischen Ort des Lernens stärken. Welche Verantwortung siehst du dabei gegenüber Gesellschaft und Studierenden?
Zebu: Das ist eine Frage, die so einfach daherkommt, aber sehr weit greift. Fangen wir mal mit den Studierenden an. Wir sollten die Zugänge zu unserer Institution überprüfen, damit sie keine Personen von vornherein ausschließen. Wir sollten eine höchstmögliche Chancengleichheit jenseits von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status z.B. schaffen und eine hohe Vielfalt von Stimmen sicherstellen, damit wir für eine größtmögliche Gruppe künstlerisch arbeitender junger Menschen stehen. In diesem Sinne überprüfen wir uns gerade selbst und versuchen, diese Aspekte in der zukünftigen Hochschulplanung stärker zu verfolgen. Darüber hinaus geht es aber auch darum, kritisches Denken zu stärken und die Frei- und Denkräume einer Kunstuniversität nicht nur souverän gegen Angriffe gegen Meinungs- und Kunstfreiheit zu verteidigen, sondern auch gegenüber einer sich verhärtenden Gesellschaft positiv zu erzählen.
KURTI: Was braucht es, damit Folkwang stärker in die Stadt hineinwirkt – und nicht nur auf dem Campus sichtbar bleibt?
Zebu: Die Folkwang Universität ist ein Ort, an dem wir im Jahr allein bei rund 400 Veranstaltungen in Essen, Bochum, Dortmund und Duisburg unsere Türen für die Stadtgesellschaft öffnen. Immer wieder auch in Laboren, Ausstellungen, Konzerten in zum Teil ungewöhnlichen, temporären Räumen außerhalb der Universität. Wir sind also schon sehr präsent, wenn man allein die Veranstaltungen betrachtet. Neben mir als Leitungsperson sind sehr viele Kolleg*innen in vielen Organisationen in Essen tätig (wie ich z.B. hier bei KURTI) und wirken an gesellschaftlichen und kulturellen Initiativen mit. Ich glaube, nach etwas mehr als einem Jahr im Amt (und in Essen), dass gerade die feine Verflechtung vieler Hochschulangehöriger mit der Stadt, mit Vereinen und kleinen und großen Institutionen, die Vielfalt unserer Veranstaltungen an sehr vielen Orten in Essen und die Zurückhaltung dabei, diesen Fakt aggressiv zu vermarkten, bereits viel Gutes für Essen bewirkt.
KURTI: Du bist im Beirat von KURTI. Fast 30 Partner*innen aus verschiedenen Bereichen engagieren sich hier für die Kultur- und Kreativszene. Wie erlebst du diese Zusammenarbeit?
Zebu: Erst einmal sind für mich Kulturnetzwerke immer Basis einer lokalen Kulturarbeit. Keine Institution kann ohne Partner*innen stark sein und alle zusammen, sind immer mehr gefordert gemeinsam für den Bestand der Kultur- und Wissenschaftslandschaft zu ringen. In diesem Sinne ist KURTI essentiell für eine gute Arbeit in Essen. Über die Vernetzung in der Stadt ergeben sich natürlich vielfältige Kooperationsmöglichkeiten, für uns als Gesamtinstitution, für unsere Fachbereiche mit den Schwerpunkten Musik, Gestaltung, Fotografie, Darstellende Künste und Wissenschaft und für einzelne Künstler*innen und unsere Studierenden. Und für die Zusammenarbeit für KURTI gilt, was ich überall in Essen erlebe, die Menschen sind sehr offen, sehr freundlich und machen es einem sehr leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Bildnachweis/Foto: Katharina Kemme