Drei Fragen an Mariana Ilic

Seit Oktober 2025 hat Mariana Ilic die Geschäftsführung des ruhrHub übernommen – der zentralen Plattform im Ruhrgebiet, die Start-ups, Investoren und Unternehmen verbindet. Die Essenerin möchte frischen Schwung in die Gründerszene zwischen Dortmund, Essen und Bochum bringen. Nach Jahren im Personalmanagement bei RWE hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Melani selbst gegründet, Unternehmen aufgebaut und verkauft. Sie kennt die Chancen und Hürden, die junge Unternehmer*innen im Ruhrgebiet bewegen. Ihr Ziel: Mehr Sichtbarkeit für Gründer*innen, mehr Zusammenarbeit zwischen den Standorten und ein gemeinsames Verständnis davon, was die Szene im Ruhrgebiet ausmacht.

Im Gespräch erzählt Mariana Ilic, worauf sie jetzt setzt, was die Szene zusammenhält – und was es braucht, damit das Revier als Gründungsregion wirklich durchstartet.

KURTI: Du hast Leitung des ruhrHub in einer Phase des Umbruchs übernommen. Was sind deine wichtigsten Ziele für die kommenden Monate – und worauf willst du dich zuerst konzentrieren?

Mariana: Mein wichtigstes Ziel ist es, zu zeigen: Der ruhrHUB und die Idee, die dahintersteht, leben weiter – gemeinsam.
Auch wenn wir keine weitere Förderung vom Ministerium erhalten haben, ist das für uns kein Signal des Aufgebens. Im Gegenteil: Es ist ein Moment, in dem wir als Netzwerk beweisen können, wie stark die Vision eines vereinten Ruhrgebiets wirklich ist.

Denn der ruhrHUB ist kein Einzelprojekt und keine Ein-Personen-Show. Er ist das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung vieler Partner aus dem gesamten Ruhrgebiet und darüber hinaus. Gerade jetzt spüren wir, dass die Akteur*innen, die an diese Vision glauben, noch enger zusammenrücken.

Mein Fokus in den kommenden Monaten liegt deshalb darauf, diese Kräfte weiter zu bündeln, Menschen und Organisationen an einen Tisch zu bringen und den ruhrSUMMIT als gemeinsames Leuchtturmprojekt auszubauen.
Nur wenn wir uns gegenseitig stärken, Wissen teilen und Verantwortung gemeinsam tragen, können wir das Ruhrgebiet als starken, modernen Innovationsstandort sichtbar machen – und genau das ist unser gemeinsames Ziel.

KURTI: Du hast selbst gegründet und kennst die Herausforderungen junger Unternehmer*innen aus eigener Erfahrung. Wie prägt dieser Hintergrund deinen Blick auf die Start-up-Förderung im Ruhrgebiet?

Mariana: Diese Erfahrung hilft mir enorm, weil ich die Herausforderungen von Gründer*innen aus eigener Perspektive kenne – von der ersten Idee bis zur Skalierung. Ich weiß, wie unübersichtlich und fragmentiert die Landschaft manchmal wirkt: viele Programme, viele Player, alle mit guten Intentionen, aber oft fehlt der rote Faden.

Gerade deshalb glaube ich fest daran, dass wir nur gemeinsam wirklich Wirkung entfalten können. Mein Anspruch ist nicht, neue Programme zu schaffen, sondern bestehende Kräfte zu verbinden – Brücken statt Inseln.

Der ruhrSUMMIT ist dafür das beste Beispiel: Er ist keine Veranstaltung „des ruhrHUB“, sondern eine gemeinsame Plattform vieler Partner aus dem gesamten Ökosystem. Hier kommen einmal im Jahr Gründer*innen, Investor:innen, Unternehmen, Städte und Unterstützer*innen zusammen – um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und sichtbar zu machen, was das Ruhrgebiet kann.

Aber noch wichtiger: Der ruhrSUMMIT öffnet das Ruhrgebiet auch nach außen. Wir holen Ökosysteme aus ganz Deutschland und Europa hierher, schaffen Begegnungen, die über regionale Grenzen hinausgehen, und bauen Brücken zwischen lokalen Talenten und internationalen Netzwerken.

Als Gründerin weiß ich, wie wertvoll das ist: wenn man in seiner Heimat bleibt – aber die Welt zu Gast hat. Das ist die Art von Förderung, die nachhaltig wirkt, weil sie auf Zusammenarbeit, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung basiert.

KURTI: Was braucht die Start-up-Szene im Ruhrgebiet deiner Meinung nach am dringendsten, um wirklich durchzustarten – mehr Sichtbarkeit, mehr Vernetzung oder etwas ganz anderes?

Mariana: Aus meiner Sicht braucht es vor allem eine starke gemeinsame Bühne.
Wir haben im Ruhrgebiet unzählige tolle Programme, engagierte Kommunen und starke Unternehmen – aber was uns fehlt, ist die gemeinsame Strahlkraft nach außen.

Wenn man auf andere Regionen schaut, sieht man, wie sehr diese von einer starken Leitkonferenz profitieren:
München hat die Bits & Pretzels,
Hamburg hat die OMR,
Helsinki hat die Slush.

Und das Ruhrgebiet? Wir haben den ruhrSUMMIT – und genau das muss unser gemeinsames Aushängeschild werden.
Mein Ziel ist, dass wir dieses Event in den nächsten drei Jahren so weiterentwickeln, dass es auf Augenhöhe mit den großen europäischen Formaten steht. Denn wenn das gelingt, profitieren alle: Städte, Unternehmen, Startups und letztlich die gesamte Region.

Wir brauchen keine neuen Programme, wir brauchen gemeinsame Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Stolz auf das, was hier entsteht. Dafür steht der ruhrHUB – und dafür setze ich mich mit voller Überzeugung ein.

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